Parodontose / Zahnfleischbehandlung Unter einer Parodontose – richtig heißt es Parodontitis – versteht man eine bakteriell-entzündliche Erkrankung der Halte- und Stützgewebe der Zähne (Zahnbett, Zahnhalteapparat, Parodont).

Das Zahnfleisch bildet um den Zahn herum einen Saum (Sulcus), in welchem sich, bei entsprechend mangelhafter Mundhygiene, ein dichter Bakterienbelag bildet, der zu einer Entzündung und zu einer Schwellung des Zahnfleisches führt (Gingivitis). Auch führt der Berührungskontakt mit Zahnstein, der über längere Zeit nicht in Prophylaxesitzungen entfernt wird, zu den gleichen Symptomen. Dabei bildet der Zahnfleischsaum eine entzündete Zahnfleischtasche aus.

Gerötetes Zahnfleisch und Blutungen sind erste Anzeichen für eine Behandlungsnotwendigkeit. Wird jetzt keine Prophylaxe bzw. PZR durchgeführt, kommt es im weiteren Verlauf zur Zerstörung der Halte- und Stützgewebe des Zahnes, einschließlich des Kieferknochens (Parodontitis). Die Zähne sind durch viele Millionen kleinste Fasern mit dem Knochen beweglich verbunden. Wenn jetzt keine Zahnfleischbehandlung erfolgt, wird der Kieferknochen mit dem Faserapparat weiter zerstört und das Zahnfleisch geht zurück, bzw. folgt dem zerstörten Knochen.

Dabei ist eine kontinuierliche Vertiefung der Zahnfleischtaschen zu beobachten. Wird nicht spätestens bei einer Taschentiefe von ca. 5-6 mm eine Therapie eingeleitet, ist die Erkrankung nur noch schwer zu beherrschen bzw. erfolgreich zu behandeln. Die Zähne beginnen sich zu lockern, bis sie schließlich herausfallen oder entfernt werden müssen.

Eine Therapie der Parodontitis hat nur Aussicht auf einen langzeitigen Erfolg, wenn eine effektive, häusliche Mundhygiene gewährleistet ist. Deshalb beginnt die Zahnfleischbehandlung immer mit allen Komponenten der Prophylaxe, insbesondere der Mundhygieneinstruktionen. Der Erfolg wird in mindestens zwei Kontrollsitzungen dokumentiert. Für Kassenpatienten ist diese „Vorbehandlung“ wie jede Prophylaxemaßnahmen auch, kostenpflichtig, da sie nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen ist.


Anschließend kann, bei Kassenpatienten erst nach erfolgter Genehmigung durch die Krankenkasse, mit der eigentlichen Therapie begonnen werden. Dabei wird unter örtlicher Betäubung, in sämtliche Zahnfleischtaschen mit scharfen Instrumenten eingegangen und alle Beläge von den Zahn- und Wurzeloberflächen entfernt. Im gleichen Arbeitsgang wird aus der Tasche das entzündliche Granulationsgewebe herausgeschabt (Kürettage und Wurzelglättung bzw. Deep Scaling and Root Planing oder Debridement mit full mouth desinfection). Dies ist zu 100 % Kassen bzw. Versicherungsleistung. In der Regel ist nach der Behandlung mit keinerlei Nachwirkungen zu rechnen.

In Einzelfällen kann es bei sehr tiefen Zahnfleischtaschen nötig sein, die Behandlung als „offene Parodontitisbehandlung“ durchzuführen. Dabei müssen die Zahnwurzeln und der Kieferknochen chirurgisch freigelegt werden, damit die Behandlung unter Sicht durchgeführt werden kann. Anschließend wird das Zahnfleich wieder repositioniert und vernäht.

Das von entzündlichem Granulationsgewebe befreite Zahnfleisch kann sich nach der Behandlung wieder eng um die nun gereinigten Zahn- und Wurzeloberflächen schließen. Die Tiefe der Taschen nimmt ab, gelockerte Zähne können sich wieder festigen. Durch den Rückgang der Schwellung zieht sich das Zahnfleisch ca. einen halben Millimeter zurück, was im Einzelfall vorübergehend zu empfindlichen, freiliegenden Zahnhälsen führen kann.

Der durch eine Parodontitis erlittene Verlust von Halte- und Stützgewebe der Zähne ist in der Regel nicht rückgängig zu machen aber duch die oben genannten Therapieformen zu stoppen. Das ist das Ziel der Zahnfleischbehandlung. Regelmäßige Prophylaxesitzungen sind zur Sicherung des Langzeiterfolgs unerlässlich und der einzige Schutz vor einem Rückfall (Behandlungsrezidiv). Gesundes Zahnfleisch ist blassrosa, nicht geschwollen und zeigt keine Blutungsneigung.


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